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Vorgeschichte des Bürgerbusses
Die Idee des Bürgerbusses kommt aus den Niederlanden. Die Probleme des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV)
waren dort ähnlich denen in Deutschland. Nach der Devise "Selbsthilfe" wurde dort der Buurtbus ins Leben gerufen
und in Modellversuchen praktisch erprobt und eingesetzt. Der Bürgerbus hat sich dort als ein in höchstem Maße
praktikabler und ökonomischer Weg zur Verbesserung des ÖPNV in unterversorgten Regionen erwiesen. Inzwischen hat
sich der Bürgerbus etabliert und gehört heute mit weit über hundert Buurtbusprojekten zu einem festen Bestandteil
des ÖPNV in den Niederlanden.
Die guten Erfahrungen der Niederlande gaben den Ausschlag dafür, die Anwendung dieser Bedienungsform für die
Bundesrepublik Deutschland zu überprüfen. Das Land Nordrhein-Westfalen griff die Idee auf und gab bereits 1983
grünes Licht für die Einrichtungen von Bürgerbuslinien. Inzwischen sind dort 13 Bürgerbusprojekte eingerichtet.
Weitere befinden sich in der Gründungs- bzw. Vorbereitungsphase. Alle Vereine "der ersten Stunde" fahren noch.
1994 erkannten Mitglieder aus drei Fraktionen des Rates der Bergstadt Clausthal-Zellerfeld das Bürgerbuskonzept
als eine Möglichkeit zur sinnvollen Verbesserung des ÖPNV in unserer Region. Die Regionalbus Braunschweig GmbH (RBB)
unterstützte das Vorhaben und die Bezirksregierung Braunschweig konnte aus dem Haushalt 1994 erhebliche Mittel
bereitstellen. So wurden durch die RBB zwei Bürgerbusse geordert und durch die Bergstadt die Voraussetzung zur
Gründung eines Bürgerbusvereins zum Betrieb der Busse geschaffen. Am 08.02.1995 wurde der Verein "Bürgerbus Oberharz"
gegründet. Das Pilotprojekt Bürgerbus für Niedersachsen konnte anlaufen.
Das Konzept des Bürgerbusses
Das Konzept beruht auf dem Prinzip "Bürger fahren Bürger", freiwillig und unentgeltlich. Die Mitglieder des Vereins
arbeiten ehrenamtlich in ihrer Freizeit. Sinn ist es, älteren und anderen nicht mobilen Bürgern mehr Mobilität
anzubieten. Für die Gebiete abseits der Hauptstraßen - und nur auf diesen fahren die "großen Busse" der RBB - ist
dieses Angebot sinnvoll und notwendig. Das Projekt wird durch drei Säulen getragen:
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die Bergstadt Clausthal-Zellerfeld als Koordinator. Sie hat sich mit überwiegender Mehrheit des
Rates zur Unterstützung des Projektes entschieden und deckt die unausweichlichen, aber im Verhältnis zu
anderen Konzepten geringen Verluste.
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die RBB als Konzessionsträger des Liniendienstes in der Region und Verantwortliche im Sinne des
Personenbeförderungsgesetzes. Ihr Fachpersonal unterstützt den Verein durch Rat und Hilfen.
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der Verein als Betreiber der Busse, angehalten durch Eigenleistungen die Kosten so gering wie
möglich zu halten. Die Durchführung des Fahrdiestes mit den Bürgerbussen ist betrieblicher Teil der RBB.
Als Fahrer des Bürgerbusses stellen sich Frauen und Männer zur Verfügung, die sich sozial engagieren wollen, eine
sinnvolle Freizeitgestaltung suchen oder einfach nur Freude am Fahren haben. Um Freizeitstress zu vermeiden,
übernehmen sie monatlich nur zwei bis drei Fahrten. Wer möchte, kann natürlich auch häufiger fahren.
Obwohl oder trotz der Tatsache, dass alle Arbeit freiwillig und unentgeltlich geleistet wird, muss der Fahrdienst
der Bürgerbusse professionell abgewickelt werden. Nur über den Preis, das Angebot und die Zuverlässigkeit kann
Akzeptanz erreicht werden. Da wir ein betrieblicher Teil der RBB sind, haben wir auf den Preis keinen Einfluss.
Unser Fahrangebot wird durch die Anzahl der Fahrer und Fahrerinnen bestimmt. Im Rahmen dieser Möglichkeiten versuchen
wir, den Fahrplan nach den Wünschen der Bevölkerung zu gestalten. Wer den Bürgerbus nutzen will, muss sich nach dem
Fahrplan richten. Jeden persönlichen Wunsch, zu einer gewissen Zeit vom Ort A zum Ort B mit dem Bürgerbus zu gelangen,
können wir nicht erfüllen. Dazu gibt es das Taxi.
Die Zuverlässigkeit des Bürgerbusses ist eine Frage der Organisationsstruktur, der Betriebsabläufe und der verfügbaren
Betriebsmittel, hauptsächlich aber der persönlichen Zuverlässigkeit der Mitarbeiter. Ein Jahr Fahrbetrieb, ohne Ausfall
und immer pünktlich, spricht sicher für professionelle Arbeit aller im Verein Aktiven. Man sieht die Busse zwar in der
Stadt fahren, der dazu notwendige und dahinterstehende Aufwand ist aber nicht sichtbar. Ein Vereinsmitglied ist
wöchentlich als "Betriebsführer" für den Betrieb zuständig. Bei ihm melden sich die Fahrer frühzeitig, so dass bei
Ausfall ein Ersatz möglich wird (bei zwei bis drei Einsätzen monatlich - fünf Wochen im voraus geplant - kann dies für
einen Berufstätigen durchaus zum Problem werden). Die Betriebsführerin oder der Betriebsführer verwaltet und verwahrt
die Betriebsunterlagen und -mittel, erstellt die Abrechnungsunterlagen, nimmt Meldungen von Mängeln entgegen,
organisiert Abhilfe und hält die Verbindung zur RBB. Es gilt, den Fahrdienst zu koordinieren und zu überwachen. Ständige
Erreichbarkeit während des Fahrbetriebes über Funktelefon ist erforderlich.
Zu den allgemeinen Aufgaben gehören das Reinigen der Fahrzeuge, die technische Kontrolle der Busse und des Zustandes der
Halle, Absprachen und Koordination mit der RBB und den zuständigen Behörden, die Werbung neuer Mitarbeiter und die
Organisation der Ausbildung, die Öffentlichkeitsarbeit, die interne Vereinsarbeit, und und und ...
Erste Generation (1995-???):
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VW T 4 mit Hochdach, umgebaut durch die Firma Auwärter
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Niederflur, daher keine Stufen in der Tür
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Doppelschwingtür, elektrisch betätigt
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2,4 l Dieselmotor, 57 kW/78 PS, 3700 U/min
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Länge 5,06 m, Breite 1,84 m
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Reifen 195/70 R 15
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5-Gang-Schaltung, vollsynchronisiert
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Lenkung servounterstützt
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Tank 80 l
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Standheizung
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Fahrer-Klima-Anlage
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D-Netz-Telefon mit Freisprecheinrichtung
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Konsole für elektronischen Drucker und Kasse anstelle des Beifahrersitzes, daher nur 7 Fahrgastplätze
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Preis: DM 103.000,- plus Drucker, Kasse und Telefon
Zweite Generation (seit ???):
Die Fahrerinnen und Fahrer
Die Seele des Bürgerbusses sind unsere Fahrerinnen und Fahrer. Die Fahrgäste und die Fahrerinnen und Fahrer sind
natürlich versichert, die persönliche Verantwortung am Lenkrad aber bleibt. Unsere Fahrerinnen und Fahrer besitzen
den Personenbeförderungsschein, die Kosten für die Ausbildung trägt der Verein. Motivation der Fahrerinnen und Fahrer
ist soziales Engagement, Spaß an Kontakten mit anderen Menschen oder einfach auch nur die Freude am Fahren. Vielleicht
auch eine Mischung aus allem. In Holland und in Nordrhein-Westfalen sind dies überwiegend Menschen außerhalb des
Berufslebens. Rentner, Pensionäre und Mütter, deren Kinder "aus dem Gröbsten" heraus sind. Diesen Personenkreis haben
wir in unserer Stadt leider noch nicht ausreichend aktivieren können. Bei uns sind die Fahrerinnen und Fahrer meist
jüngere Leute, Studenten, Assistenten und anderweitig Beschäftigte an der TU und selbständigen Instituten. Von
Null-Bock-Generation ist bei uns nichts zu spüren. Natürlich fahren bei uns auch Ältere, z.B. die Krankenschwester aus
Langelsheim (!), der ehemalige Berufssoldat oder die Heimleiterin. Diese machen aber gerade nur 25 % des Fahrpersonals
aus. Man muß es deutlich herausstellen: ohne die jüngeren Leute von der TU Clausthal wäre der Bürgerbus nicht möglich
gewesen. Für unseren Bürgerbus hat diese personelle Struktur des Fahrpersonals erhebliche Konsequenzen: Während die
Älteren meist ortsgebunden sind, werden die Jüngeren in absehbarer Zeit die Bergstadt verlassen. Wir haben also mit
einer großen Fluktuation zu rechnen. Um unser Angebot zu erhalten müssen wir daher ständig neue Fahrerinnen und Fahrer
werben und ausbilden.