Trigomat

neue Wege zeichnerischer Dokumentation

Für den Archäologen stellt jeder Bodenfund, der in seinem Befundzusammenhang beobachtet werden kann, eine Urkunde dar, die ihm Einblicke in historische Zusammenhänge erlaubt, so wie es dem kundigen Archivar möglich ist, aus überlieferten Schriftstücken ein der Wirklichkeit immer näher kommendes Bild unserer Vergangenheit zu zeichnen. Da sich der Archäologe jedoch in der mißlichen Lage befindet, daß er seine Urkunde in dem Augenblick des Lesens zerstört, im Gegensatz zum Archivar, dem in der Regel das Schriftstück immer wieder in seinem Originalzustand für seine Studien zur Verfügung steht, ist der Archäologe gezwungen, besondere Techniken anzuwenden, die ihm den möglichst naturgetreuen Zustand der Urkunde zu reproduzieren helfen.

Dieses Denkmalverständnis war - und ist - nicht immer selbstverständlich. Es lag sicherlich nicht den Ausgrabungen der letzten babylonischen Herrscher (ca. 5.Jh.v.Chr.) in Ur, Sumer oder Akkad zu Grunde (J. Oates, Babylon. London-New York 1979). Jedoch finden sich bereits unter Theoderich d. Gr. (5./6.Jh.n.Chr.) erste Ansätze einer recht modern anmutenden Stadt-Denkmalpflege im spätantiken Rom, die nicht nur darauf abzielte, die alten Bauten vor der Zerstörung zu retten, sondern auch die Architekten anwies, für neu zu errichtende Bauten den Baustil der Alten zu studieren und nutzbringend anzuwenden, doch sind solche beinahe modern wirkende Einsichten eher die Ausnahme. Zumeist steht hinter den konservatorischen Maßnahmen, z.B. Karls d.G., ein dominierendes politisches Programm, wie auch in unserer jüngeren Vergangenheit u.a. beim Wiederaufbau der Pfalz Goslar und der Wiederverwendung des Goslarer Kaiserstuhles.

Kaum Beachtung, wenn nicht unter mystisch/religiösen Gesichtspunkten, fanden die gänzlich im Boden verborgenen Hinterlassenschaften. Erst die aus der geistigen Enge der Scholastik befreiende Bewegung des Humanismus bereitete den Boden auch für die Entdeckung der klassisch-antiken Kleindenkmale, die von Kunstliebhabern (ital.: dilettanti) in Antiquitätenkabinetten zusammengetragen wurden.

Vereinzelt finden sich bereits im 16.Jh. Dokumentationen einheimischer Altertümer. Die Entdeckung der untergegangenen Städte Pompeji und Herculaneum gegen Ende des 16.Jhs. führte dagegen seit 1709 hauptsächlich zu anhaltenden Grabungen nach Kunstgegenständen und Raritäten, die geeignet waren, die Raritätenkabinette zu füllen.

Erste Bemühungen, Ruinenstätten zu vermessen und zu dokumentieren, lassen sich schon um 1751 nachweisen. Die Bedeutung der Dokumentation des Fundes im Verhältnis zum Befund wurde dagegen erst über 100 Jahre später erkannt. Unter diesem Zwiespalt zwischen Schatzgräberei und ernsthaft dokumentierender Wissenschaft leidet die Archäologie bis heute. Es bedurfte einer Reihe von Erfahrungen und Auseinandersetzungen, bis die Archäologie ihren Anspruch, nicht nur elitärer Liebhaberei zu dienen, sondern einen ohne sie unwiderruflich verlorenen Beitrag zur Geschichte des Menschen in seiner Umwelt liefern zu können, formulierte und durchzusetzen begann.

Dabei ist es erst die Gesamtschau sowohl der Funde als auch der Befunde, die es möglich macht, möglichst korrekte Interpretationen in chronologischer und soziologischer Hinsicht zu formulieren, losgelöst von ästhetischen Vorurteilen. Dieser Zusammenhang jedoch kann nur während des kurzen Augenblicks der Ausgrabung beobachtet werden und muß daher mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln dokumentiert werden, so daß (im Idealfall) jeder ausgegrabene Stein anhand der Dokumentation in seine Fundlage zurückversetzt werden kann.

Daß diesem Anspruch, der die Archäologie erst zur objektiv nachprüfbaren Wissenschaft macht, zu genügen äußerst schwierig ist, erscheint einleuchtend. Widrige Umstände im Gelände oder auf der Baustelle, auf der nicht zu selten der Bagger oder die Planierraupe das Denkmal unbeobachtet zu zerstören drohen, erfordern rationelle Techniken, die es dem Archäologen und Grabungstechniker erlauben, schnell ein Maximum an Informationen aufzunehmen und für die Nachwelt reproduzierbar zu sichern. Hier finden verschiedene Zeichengeräte ebenso wie die Photogrammetrie ihren unersetzlichen Einsatz.

Die herkömmliche archäologische Dokumentation besteht gleichberechtigt aus Schwarzweiß- und Farbfotos, maßstäblicher Zeichnung der Aufsicht (Fläche) und des Anschnitts (Profil) sowie der verbalen Beschreibung. Dabei nimmt die Zeichenarbeit die meiste Zeit in Anspruch, die dabei zur Verfügung stehenden Hilfsmittel sind naturgemäß recht beschränkt. Ziel ist die maßstäbliche Darstellung des Befundes und Fundes in drei Dimensionen.

Im Zeitalter der Computer wünscht sich nicht nur der Archäologe ein System mit einfacher Handhabung, das schnell zu bedienen ist und die entsprechende Genauigkeit besitzt. Diesen Wünschen trägt der TRIGOMAT Rechnung:

Programmeigenschaften

Das Programm erlaubt die Aufnahme von drei-dimensionalen Positionen im Gelände durch Anfahren mit einem Zeigestift ON LINE in einen Rechner, deren Aufzeichnung und grafische Ausgabe.

Die Datenaufnahme ist selbst in schwierigem (geneigten) Gelände möglich und kann von einer Person durchgeführt werden. Menügesteuert lassen sich Funktionen wie Grafik, Großanzeige und DOS-Befehle anwählen.

Die Bedienung des Programms erfolgt über eine Bildschirmmaske, in der sämtliche Parameter (z.B. Grundkoordinaten des Achsennetzes) angezeigt und auch verändert werden können.

Die Daten werden in einem ASCII-Format gespeichert, das direkt von vorhandenen Programmen wie WORD, OPEN ACCESS, AUTOCAD u.a.m. verarbeitet werden kann.

Zwischen der Datenaufnahme kann jederzeit der aktuelle Arbeitsstand grafisch kontrolliert werden. Dabei lassen sich beliebige Teilbereiche als Ansichten (Fläche oder Schnitt) in Richtung der Hauptachsen des Koordinatensystems darstellen.

Das Einspeichern der Meßdaten wird durch zwei Tasten fernausgelöst. Es erfolgt dabei ein akustisches Signal als Bestätigung der Datenerfassung.

Die automatische Datensicherung nach frei wählbaren Intervallen gewährleistet größte Sicherheit bei Betriebsstörungen.

Der eigentliche Meßwertaufnehmer (Meßzeiger) ist den augenblicklichen Bedürfnissen (Profil oder Flächenaufnahme) durch auswechselbare Einsätze leicht anpaßbar.

Statt des Menüs kann auf dem Bildschirm auch eine Großbildanzeige der Meßwerte ausgegeben werden, mit der man aus der Distanz gezielt Punkte anfahren kann.

Sämtliche ortsspezifischen Einstellungen des Programms werden auf Wunsch gespeichert und stehen nach Stromausfall oder Neustart des Systems wieder zur Verfügung.

Das Programm ist jederzeit offen für den Eintrag archäologischer Zusatz-informationen. Durch diese Möglichkeit, auch während der Datenaufzeichnung Notizen mit abzuspeichern, läßt sich bei der späteren Auswertung leicht eine Zuordnung zwischen den Koordinaten und den Befunden oder Funden herstellen.

Die aufgenommenen Daten können in beliebig definierten Koordinatenkombinationen und/oder Teilbereichen aus dem Hauptdatensatz in extra Dateien abgelegt (extrahiert) werden. Dadurch ist jeder Zeichnungsausschnitt darstellbar. Außer einer Bildschirmkopie der angezeigten Grafiken können die extrahierten Daten zweidimensional auf einem Plotter (HPGL-Sprache) ausgegeben werden, wodurch für die weitere archäologische Arbeit sofort eine Arbeits- und Dokumentationsgrundlage zur Verfügung steht.

Erforderliche Hardware

Nach Aufstellung der drei Stative um die Grabung herum in Form eines Dreiecks mit Seitenlängen von 3 bis 10 Metern wird an jedem Stativ schwenkbar um eine senkrechte Achse ein elektronisch auslesbares Maßband gesteckt. Die Anfänge der Maßbänder werden mit der Meßspitze zusammen "verknotet".

Bei der Messung führt der Archäologe diesen Knoten über den Befund, während der Rechner aus den Längen der Maßbänder die Lage des Knotens im Raum berechnet, anzeigt und auf Knopfdruck abspeichert. In schwierigem Gelände kann die Meßspitze (nach unten) und jedes Maßband einzeln durch Zusätze verlängert werden.

Für die Rechnung ist die genaue Lage der Stative im Raum nötig, die sich mit Maßband und Nivelliergerät und einigen Fixpunkten auf der Grabung bestimmen läßt.

Datenaufnahme

Durch Drücken auf eine Fernauslösetaste läßt sich der aktuelle Meßwert in die Datei übernehmen. Beim Wechseln des Objekts kann der Notiztext durch Drücken einer weiteren Taste in die Datei gespeichert werden. Durch Abfahren aller wichtigen Punkte in der Grabung läßt sich in kurzer Zeit ein "Bild" von den Funden und Befunden im Rechner ablegen, dessen Vollständigkeit jederzeit durch zwischen-zeitliche Grafik-ausgabe überprüft werden kann. Hierbei können der Ausschnitt und die Ebene für die Betrachtung ausgewählt werden. Nach Abschluß der Daten-aufnahme erfolgt die Feinarbeit am Schreibtisch im Bauwagen, Zelt oder Büro:

Da die Daten als normale Textdateien im ASCII-Format abgespeichert sind, lassen sie sich leicht per Diskette auf andere Rechner übertragen und dort weiter verarbeiten.

Weitere denkbare Anwendungen



Weitere Informationen bei:

Dr. Friedrich Balck

Siebensternweg 2

38678 Clausthal-Zellerfeld

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