Grabung Baßgeige in Goslar
Frühmittelalterliche Siedlung bei Goslar entdeckt
Zur Erweiterung des Industriegebietes Baßgeige, nördlich von Goslar gelegen, wurde 1994 im zukünftigen Baugebiet großflächig der Humus abplaniert. Eine Begehung der Fläche auf Grund früherer Befundbeobachtungen erbrachte im offenliegenden glazialen Schotter eine Reihe von Verfärbungen, die auf eine abgegangene Siedlung schließen ließen. Funde von Standbodenkeramik legten für die Existenz der Siedlung den Zeitraum vom 8./9. bis zum 12.Jh.n.Chr. nahe.
In Absprache mit dem Grundstücksbesitzer, der Klosterkammer Hannover, wurde eine ca. 8-wöchige Sondierungsgrabung im Herbst 1994 durchgeführt, um die Qualität der Befunde zu prüfen. Zunächst wurde ein etwa 10m breiter und 180m langer Streifen durch das Areal untersucht. Hierzu wurde die Oberfläche mit einem Kleinbagger abgezogen, mit Schaufel und Kelle nachgeputzt und die so sichtbaren Verfärbungen dokumentiert. Der anschließende Schnitt durch die Verfärbungen brachte Gewißheit über ihre Entstehung und Funktion. Ziel der zeichnerischen Enddokumentation ist der Grundriß der Siedlung. Eine wesentliche Erleichterung und Beschleunigung der zeichnerischen Dokumentation bis hin zur schnellen Erstellung eines digitalen Geländemodells, konnte durch den erstmaligen Einsatz eines Tachymeters erzielt werden. Kombiniert mit dem im Harz entwickelten rechnergestützten Dokumentationssystem TRIGOMAT, ist damit eine effektive Vorgehensweise bei der Befunddokumentation gefunden worden, die es verdient, zum Standard der Archäologischen Denkmalpflege erhoben zu werden.
Die bisherigen Befunde setzen sich vor allem aus Pfostengruben als Relikte ebenerdiger Bauten und aus Grubenhäusern zusammen. Dabei ist es beim augenblicklichen Stand der Untersuchungen noch verfrüht, Aussagen über Siedlungsstrukturen und zeitliche Abläufe zu treffen, doch sind solche Aussagen von einer großflächigen Ausgrabung des etwa 10.000 m2 großen Siedlungsareals zu erwarten.
Darüber hinaus lassen sie topographische Lage und historischen Zusammenhänge wichtige Aufschlüsse zur Frühgeschichte der Region erwarten. Die Siedlung liegt auf einem nach Süden zu einem ehem.Bachlauf abfallenden Geländerücken, unmittelbar an der alten West-Ost-Verbindung aus dem Leinetal nach Magdeburg. In dieser Gegend wurde von H.G. Griep die Wüstung Stapeln rekonstruiert, aus der ein für die Stadt Goslar wichtiges Ministerialengeschlecht stammt. Griep vermutet für diesen Handelsplatz, daß er in karolingischer Zeit gegründet und etwa mit der Gründung der Stadt Goslar aufgegeben worden sei. Auch wenn es noch zu früh ist, hier euphorisch voreilige Schlüsse zu ziehen, so darf man doch gespannt sein, ob sich eine Parallelisierung der voneinander unabhängig gewonnenen Vorstellungen zu den frühen Siedlungsabläufen ergeben wird. Unterstützt von der Klosterkammer Hannover, werden die Grabungen und interdisziplinären Untersuchungen des Jahres 1995 wichtige Ergebnisse zu dieser bisher beinahe noch unerforschten Frühzeit der späteren Kaiserstadt Goslar mit sich bringen.