Grabung Schnapsweg

 

Der Schmelzplatz wurde vom Leiter des Forstamts Lautenthal, Herrn Dr. A.von Kortzfleisch entdeckt, als nach Holzrückearbeiten ein Teil des Hangs beschädigt worden war. Er veranlaßte eine erste Datierung des Platzes durch 14C-Analysen am Nieders.Landesamt für Bodenforschung Hannover, und publizierte die in seinem Forstamt gefundenen, über 70 Schmelzplätze.

Nachdem die Harzarchäologie von Dr.v.Kortzfleisch auf den durch die Forstarbeiten offen liegenden Ofenplatz aufmerksam gemacht wurde, drängte sich eine Notgrabung zur Sicherung der Befunde auf. Im Vorfeld der Grabung wurde die aktuelle Oberfläche topographisch fein vermessen und die freiliegenden Funde wie Schlacken und Ofenbruchstücke punktgenau kartiert. Anschließend untersuchte das Nieders. Landesamt für Bodenforschung Hannover, Abt. Geowiss. Gemeinschafts-aufgaben, den oberflächennahen Untergrund auf magnetische Anomalien. Mit dieser Prospektionsmethode können im Gebiet des Schmelzplatzes mindestens 4 Öfen lokalisiert werden. Die Ausgrabung nach natürlichen Schichten in einem kleinen Grabungsschnitt, orientiert an den neuzeitlichen Störungen, begann im September, durchschnittlich wurden unter Leitung von Herrn F.-A.Linke 2 Mitarbeiter eingesetzt.

(Foto: C.S.Fuchs)

Deutlich herausgearbeitet werden konnten zwei Arbeitsplätze, die leicht in den Hang eingearbeitet waren. Auf diesen Plateaus fanden sich die Laufhorizonte, d.i. festgetretener Abfall etc. Zum Hang hin waren die Werkplätze mit Balken oder Flechtwerk gegen nachrutschendes Erdreich gesichert. Zu einem Werkplatz gehören verschiedene Gruben, Holzkohle- und Erzhaufen sowie natürlich der Ofen. Reste einer leichten Überdachung fanden sich in Form von Pfostenlöchern.

Das Fundmaterial umfaßt Rammelsberger Erz als Ausgangsmaterial, Fließ- und Plattenschlacken als Abfall und Kupferstücke als Ziel des Schmelzvorganges. Dadurch wird sicher, daß an dieser Stelle Kupfer aus Rammelsberger Erz gewonnen wurde. Die zeitliche Stellung der Produktion kann inzwischen anhand von zwei Keramikbruchstücken sicher in das 10.Jh.n.Chr. datiert werden.

Überraschend war die gute Erhaltung von organischen Materialien. Buchenblätter, Baumrinde und Holzspäne zeugen von einem in dieser Zeit noch intakten Laubwald, der einmal die wichtige Energie in Form von Holzkohle lieferte, zum andern auch Konstruktionsmaterial z.B. für die Überdachung. Eine Menge aufgeknackter Haselnüsse und Apfelkerne in den Nutzungshorizonten sind Hinweise auf die Ernährung der Hüttenleute.

Diese in ihrem Aussagewert historischen Quellen vergleichbaren Bodenurkunden nun gilt es nicht nur zu sichern, sondern auch zu lesen und zu interpretieren. Hierfür ist ein spezialisiertes Wissenschaftlerteam notwendig, das außer Archäologen aus Botanikern, Chemikern, Geologen, Metallurgen und Historikern besteht, die ihre speziellen Kenntnisse in die Gesamtinterpretation des Befundes einbringen.

Ein solches Team arbeitet am und mit dem Stützpunkt Harzarchäologie des Instituts für Denkmalpflege. Damit sind die besten Voraussetzungen geschaffen, mit dieser Grabung einen weiteren Mosaikstein zum Bild des Menschen in der vom Bergbau- und Hüttenwesen geprägten, frühgeschichtlichen Industrielandschaft Harz beizutragen. Ermöglicht wird diese Arbeit durch den unermüdlichen Einsatz vieler fleißiger Helfer, die Finanzierung durch das Ministerium für Wissenschaft und Kultur und durch die Volkswagen-Stiftung und nicht zuletzt durch die Geduld der durch die Geländearbeit betroffenen Forstbeamten.

 

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